Die verheerenden Fehler der Vergangenheit
E-Business ist leicht, glaubten die Internet-Pioniere. Da macht man eine Website, und verkauft einfach. Und das mit einem Bruchteil der Kosten, die für das Aufziehen eines deutschlandweiten Filial- oder Distributionsnetzes investiert werden müssten.
Doch es dauerte nicht lange und die große Erkenntnis machte sich breit, dass man Waren nicht per E-Mail verschicken kann. Diese banale Tatsache hätte beispielsweise dem größten Internet-Buchhändler Amazon beinahe das Genick gebrochen. Viele andere Internet-Shops sind aus genau diesem Grund wieder eingegangen. Amazon rettete sich nur knapp durch den Aufbau einer aufwändigen Logistik mit mehreren Lagern und Verteilzentren auf der ganzen Welt, um die Bestellungen auch tatsächlich abwickeln zu können.
Die heute noch existierenden Online-Shops haben diese Probleme nun bewältigt, und können auf die entsprechende Logistik mit verschiedenen Partnern zurückgreifen. Sie beginnen langsam, ihren Kostentrumpf auch tatsächlich auszuspielen. Der Sturm der durch die Internet-Branche preschte, hatte einen positiven Effekt für die Internet-Pioniere: Wer jetzt noch am Markt ist und das Gewitter überlebt hat, kann auf wirklich schlanke Strukturen zurückgreifen und ist dementsprechend kostenoptimiert.
Teure Software lässt Mittelständler noch zögern
Auch mittelständische Unternehmen sollten sich genau jetzt freiwillig mit dem Thema der Warenwirtschaft und Logistik auseinandersetzen, bevor der Markt sie dazu zwingt. Oft zögern mittelständisches Unternehmen vor Investitionen diesem Bereich, denn entsprechende Software ist teuer und das dazugehörige Know-How auch. Aber wichtiger als die Software ist ein Umdenken der Manager, die die neuen Anforderungen wahrnehmen und umsetzen: Kunden erwarten kürzere Lieferzeiten, Lebenszyklen von Produkten werden kürzer und das Internet erlaubt eine passgenaue Anbindung von Lieferanten und Kunden.
Zum Beispiel ermöglichen IT-Strukturen, dass ganze Lager sozusagen zu den Lieferanten “ausgelagert” werden. Anstatt ein eigenes Lager zu füllen kommen die Produkte auf Knopfdruck “just in time”.
Elektronische Beschaffung: Ein Thema für die Kleinen
Bei der Beschaffung können auch kleine Unternehmen enorm profitieren: Elektronische Marktplätze und Kataloge erlauben die kostengünstige Bestellung von Produkten des täglichen Bürobedarf bequem per Knopfdruck. Einzelbestellungen werden automatisch gebündelt, um noch bessere Preise zu bekommen.
Gleiches gilt für Lieferanten, beziehungsweise für den Vertrieb via Internet. Dabei braucht man nicht unbedingt einen eigenen Webshop: Wenn die Lieferanten es schaffen in den elektronischen Katalogen oder Marktplätzen mit ihren Produkten präsent zu sein, können sie deutliche Umsatzsprünge erwarten. Solche Einbindungen sind meist erfolgversprechender als Shop-Insellösungen, bei denen jeder Anbieter einen eigenen Shop mit eigenen Bestellstrukturen bereitstellt. Denn der Kunde will nicht jeden Shop neu “lernen”, sondern möglichst bequem einkaufen. Was komplizierter ist als ein Telefonat, funktioniert in der Regel nicht.
Elektronische Kataloge oder Marktplätze können den Online-Shop ersetzen
Durch solche Beschaffungs-Prozeduren spart das Unternehmen noch einmal: Der Beschaffungs-Prozess wird durch die Automatisierung verkürzt und nimmt weniger Ressourcen in Anspruch: Wo bisher jede Anschaffung von Büroklammern drei Mitarbeiter mit Produktauswahl, Bestellung, Empfang, Buchhaltung, etc. beschäftigt hatte, können die Angestellten durch solche Systeme entlastet werden.
Auch Behörden haben die Zeichen der Zeit schon erkannt, und setzten auf elektronische Beschaffung, große Konzerne machen das schon länger. Nun ist die Zeit für den Mittelstand gekommen, sich intensiv mit diesem Thema auseinander zu setzten.
Gleiches gilt für die Logistik und Lagerverwaltung, wo gerade beim Mittelstand oft noch Einsparungspotenzial liegt. Dabei gilt allerdings ein gutes altes Wirtschaftsprinzip: Zuerst (um)denken, dann investieren!