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Application Service Providing (ASP)

Mieten statt Kaufen


Ihre Büroräume sind gemietet, ihr Fuhrpark ist geleast - warum also dann die Unternehmenssoftware kaufen? ebigo.de hat die Möglichkeiten des IT-Outsourcing und des Application Service Providing für den Mittelstand einmal genauer unter die Lupe genommen.


Es war eines der Hype-Themen der New Economy: Application Service Providing (ASP). ASP bedeutet, dass Anwender ihre Software-Lösungen nicht mehr im eigenen Unternehmen betreiben, sondern über das Internet oder ein Virtual Private Network Zugang zu Software-Applikationen erhalten, die in einem leistungsfähigen, sicheren und hoch verfügbaren Rechenzentrum abgelegt sind. Die Vorteile von ASP sind - zumindest laut der Werbung der Anbieter - mannigfaltig.

Mit ASP das Paradies auf Erden?

Da die Applikationen bei ASP dem Anwender nur temporär für den aktuellen Bedarf angeboten werden, entfallen teure Anfangsinvestitionen. Der Kunde zahlt nur für den tatsächlichen Gebrauch. Auf diese Weise können auch kleine und mittlere Unternehmen auf Software-Lösungen zugreifen, die sie sich als Kaufvariante nicht leisten könnten. Außerdem sinken die Kosten für Personal und Rechnerressourcen, da die Applikationen outgesourct laufen. Auch das Wachstum des eigenen Unternehmens stellt kein Hindernis dar, da bei größeren ASPs die IT-Infrastruktur relativ einfach skaliert werden kann. Und da die Applikationen über das Internet abgerufen werden, ist der Anwender nicht mehr auf seinen speziellen Arbeitsplatz beschränkt, sondern besitzt weltweiten Zugriff, wodurch er wesentlich flexibler wird.

Doch trotz der vollmundigen Versprechen und hochtrabender Prognosen der Marktforscher blieb der große ASP-Run aus. Unternehmen waren nur sehr zögerlich bereit, die Herrschaft über ihre IT-Landschaft außer Haus zu geben. Vor allem der Mittelstand reagierte bislang verhalten. Laut eines Artikels des "ASP Magazins" beläuft sich das Volumen für IT-Outsourcing im Mittelstand auf gerade einmal 30 Prozent des gesamten deutschen Outsourcing-Marktes. Angesichts einer mittelständisch geprägten deutschen Wirtschaft ist dieser Anteil sehr niedrig. Einen Grund dafür haben die ASP-Anbieter und Outsourcer inzwischen erkannt: Die Unternehmen haben Angst, ihre sensiblen Geschäftsdaten außer Haus zu geben. Sie vertrauen den Anbietern in punkto Sicherheit zu wenig - allerdings meist zu Unrecht. Denn die meisten ASP-Anbieter garantieren Sicherheitsstandards, die gerade kleine und mittlere Unternehmen in Eigenregie gar nicht aufbauen könnten. Doch auch sehr heterogene IT-Landschaften im eigenen Unternehmen machen das Auslagern schwierig: "Die IT-Abteilungen haben ihre Anwendungen zum Teil seit über 30 Jahren im Dienst. Die sind so vermurkst, die kann gar kein Externer effizienter betreiben", erläutert Jörg Singer von der Münchner Unternehmensberatung Singer & Partner.

ERP-Outsourcing wird zum Wachstumsmarkt

Diejenigen Mittelständler, die bereits outsourcen, tun dies laut "ASP-Magazin" außerdem sehr selektiv: Während bei kleineren Unternehmen stark standardisierte, anwendungsbezogene Outsourcing-Arten wie Processing Services oder Web Hosting im Vordergrund stehen, lagern mittlere Unternehmen auch komplexere Applikationen oder infrastruktur-bezogene Dienstleistungen wie Desktop oder Rechenzentren aus. Dies soll sich jedoch in Zukunft ändern. Das Fachblatt erwartet vor allem beim klassischen Anwendungs-Outsourcing steigende Wachstumsraten. Besonders interessant sind hierbei standardisierte Software-Lösungen im ERP-Umfeld. Jörg Singer sieht außerdem  außerdem einen Trend zum Business Process Outsourcing, beispielsweise Human Resources und Accounting. Aber auch Portale, Oracle-Datenbanken sowie Anwendungen, die standardisiert und für eine große Anzahl von Kunden eingesetzt werden können, werden seiner Meinung nach zunehmend an externe Dienstleister ausgelagert werden.

Auch den zahlreich entstehenden 'On-Demand Services', die eine flexible Nutzung und Abrechnung von Infrastruktur und Anwendungen versprechen und somit große Investitionen zu vermeiden helfen, räumt das "ASP Magazin" gute Marktchancen ein. Fast alle großen IT-Unternehmen sind auf diesen Zug bereits aufgesprungen. So bietet IBM mit 'E-Business on Demand' seine Produkte und Services unter anderem auch als Mietlösung an, für die der Kunde nur zahlen muss, wenn er sie auch tatsächlich nutzt. Und auch Microsoft beispielsweise stellt seine Software-Anwendungen nicht mehr nur als Kaufvariante sondern auch als ASP-Version zur Verfügung. Für den Kunden bedeuten diese On-Demand-Lösungen den Vorteil, dass sie sehr selektiv, temporär oder sehr modular outsourcen können, erklärt Singer.

"Ein Kunden-Geschäftsführer will mit dem Provider-Geschäftsführer sprechen"

Unternehmen, die sich überlegen, Teile ihrer IT an externe Dienstleister auszulagern, sollten ihren Business-Kontext berücksichtigen. Es gilt, sich zu fragen, welche Firmenstrategie ein Unternehmen verfolgt, welche Rolle Kernanwendungen spielen und nicht zuletzt wie viele Altlasten und Spezialitäten die eigene IT-Landschaft aufweist. Bei der Kosten-Nutzen-Rechnung, so betont Singer, müssen unbedingt auch die Kosten für die Harmonisierung, Migration und Steuerung eines Externen mitkalkuliert werden. Bei der Auswahl des richtigen ASP-Dienstleisters spielen dann mehrere Kriterien eine wichtige Rolle:

Essenziell beispielsweise ist, dass der Provider über ein stabiles Netzwerk verfügt, das auch mehrere Kundenanwendungen parallel fahren kann. Auch sollte das Rechenzentrum für das Volumengeschäft ausgerichtet sein. Eine wichtige Frage ist auch, wie schnell Upgrades durchgeführt werden können und ob der ASP Skalierungsmöglichkeiten und Applikationsweiterentwicklungen garantiert. Doch auch weiche Faktoren sind für den Outsourcing-Erfolg richtungsweisend. "Der Outsourcer muss die Organisationsstruktur des Kunden abbilden", lautet Singers Erfahrung: "Ein Kunden-Geschäftsführer will mit dem Provider-Geschäftsführer sprechen." Auch die Unternehmensphilosophie muss stimmen: "Mittelständler sind Macher, das erwarten sie auch von ihrem Provider", so Singer.

Ein ganz wesentlicher Punkt ist schließlich auch die Vertragsgestaltung. Damit es hinterher zu keinem bösen Erwachen kommt, sollte im Rahmen eines Service Level Agreements ganz genau geregelt werden, welche Service-Leistungen der Application Service Provider zu erbringen hat und was bei Nichterfüllung passiert. Die wichtigsten Regelungen und Klauseln haben wir Ihnen in einem eigenen Hintergrund-Bericht zusammengestellt.



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