Auf den ersten Blick erscheinen die Vorteile des neuen Betriebssystems verlockend. Windows Vista punktet vor allem mit seiner Netzwerkfähigkeit. Das System ermöglicht es Mitarbeitern, innerhalb und außerhalb der Firma enger zusammenzuarbeiten. Mit dem Vista-Tool „Meeting Space“ etwa können sie ihre Rechner über das firmeninterne Netzwerk miteinander verbinden und gemeinsam an einer Präsentation arbeiten. Und das Vista-Tool „Synchronisierungscenter“ gleicht Daten auf Mitarbeiter- PCs, -Laptops und sonstigen Endgeräten ab, eine nicht nur für Außendienstler und Dauer-Geschäftsreisende interessante Funktionalität. „Endlich ohne Administrator-Rechte alle wichtigen Alltagsaufgaben meistern – das allein ist doch schon ein wichtiger Umstiegsgrund", meint denn auch Unternehmensberater und IT-Publizist Tobias Weltner. Zudem mache Vista „Schluss mit Sicherheitslücken“ – ein für Microsoft-Kunden seit jeher heikles Thema. Kein Wunder also, dass zahlreiche Mittelständler mit der Umstellung ihrer Firmen-IT liebäugeln, zumal Microsoft den Support für ältere Betriebssysteme nach und nach einstellen wird. Windows 2000-Nutzer etwa können nur bis 2010 kostenpflichtige Serviceleistungen in Anspruch nehmen.
Windows Vista auf dem Prüfstand
Das Problem: Nicht alle Vista-Enthusiasten sind sich darüber im Klaren, welche Anforderungen das Microsoft-System an Menschen und Maschinen stellt. So sollten vor der Migration zunächst die Leistungsstärke der einzelnen PCs geprüft werden. Vista ist durchaus anspruchsvoll: Microsoft empfiehlt ein Gigabyte RAM, ein Gigahertz Prozessorleistung, 40 Gigabyte Festplattenspeicher und mindestens 128 Megabyte Grafikkartenspeicher. Schon ein mittelalter Bürorechner aus der Windows XP-Ära stößt da schnell an seine Grenzen. Der Umstieg selbst geht natürlich auch ins Geld, denn schließlich sind neben den reinen Softwarelizenzen auch erhöhte Support-Leistungen in der Implementierungs- und Einarbeitungsphase zu bezahlen.
Je nach Anzahl der Rechner ist der Einsatz einer Managementlösung zu erwägen, mit der sich komplexe Installationen automatisiert durchführen lassen. Ein derartiges Tool bietet beispielsweise die schwäbische Softwareschmiede Baramundi an, die folgende Rechnung aufmacht: In einem Unternehmensnetzwerk mit rund 2.000 Clients wäre der Administrator pro Rechner geschätzte fünf Minuten allein mit der Analyse des Einzel-PCs beschäftigt, was einer Dauer von rund vier Arbeitswochen entspräche. Das Baramundi-System könne diese Untersuchung pro Arbeitsplatzrechner auf sechs Sekunden reduzieren und amortisiere sich schon bei einem 70-Rechner-Netzwerk innerhalb eines Jahres, versichert das Unternehmen.
Mitarbeiter mitnehmen
Vor unkoordiniertem Vista-Aktionismus warnt auch der Computerhersteller Fujitsu Siemens: „Die bloße Einführung des Betriebssystems, ohne Veränderungen an der Arbeitsweise der Anwender und dem entsprechenden Support aus der Backoffice-Infrastruktur, wird dem Unternehmen nur einen geringen Mehrwert bringen“, gab dessen Business-Development-Manager Andreas Thoms kürzlich in der „Computerzeitung“ zu bedenken. Allein für die Konzeptphase sollten vier bis sieben Monate veranschlagt werden. Philipp Bohn, Analyst beim Berliner Marktforschungsunternehmen Berlecon warnt noch vor einem weiteren Punkt – die Qualifikation und Motivation der Mitarbeiter. „Bei der Vielzahl der kleinen Unternehmen beschränkt man sich darauf, Word anstelle der Schreibmaschine und Excel statt Taschenrechner zu nutzen. So ist mancher Mitarbeiter aus der Buchhaltung froh, bei der letzten Fortbildung endlich gelernt zu haben, wie man eine Datei korrekt im richtigen Verzeichnis abspeichert und sie anschließend als Anhang per E-Mail versendet – und jetzt eine komplett neue Oberfläche?“