Das Web 2.0 wird firmentauglich
Der Begriff „Enterprise 2.0“ ist noch keine zwei Jahre alt. Andrew McAfee, Professor an der Harvard Business School, führte ihn im Frühjahr 2006 ein, als er in einem Artikel für die US-Fachzeitschrift „MIT Sloan“ die Auswirkungen des „Mitmach-Internets“ Web 2.0 auf den Unternehmensalltag beschrieb. Seine These: Kaum eine Firma kann es sich auf Dauer leisten, die neuen Interaktions- und Kommunikationsmöglichkeiten des Mediums Online zu ignorieren. McAffees damalige Prophezeiung hat sich als realistisch erwiesen: In zahlreichen Firmen sind Web 2.0-Anwendungen schon gang und gäbe. Selbst die konservative Bankenwelt kommt daran nicht vorbei: Web 2.0 werde eine „maßgebliche Rolle der Unterstützung einer Business-Strategie für Finanzinstitute“ spielen, ist sich das Marktforschungsinstitut Gartner sicher.
Neue Möglichkeiten für clevere Firmenchefs Doch was große Markenartikler und Finanzkonzerne erkannt haben, ist noch lange nicht zu allen Unternehmen vorgedrungen. Vor allem der Mittelstand zeigt sich verunsichert und so mancher Firmenchef ist ratlos: Gerade erst hat er sich mit dem Internet angefreundet, viel Geld in einen Online-Auftritt gesteckt und den hauseigenen Web-Shop in Schwung gebracht und nun soll schon wieder alles überholt sein? Besonders Kurzentschlossene greifen dann schon mal zum Telefon und rufen ihren Multimedia-Dienstleister an: Web 2.0 sei ja offenbar nicht zu vermeiden, also möge man es doch bitteschön installieren. Derartige Anekdoten, auf Fachmessen und Konferenzen gern erzählt, haben einen durchaus realistischen Kern. In einer Zeit, in der ein Modewort das nächste jagt, fällt es selbst Branchenkennern schwer, den Überblick zu behalten. Dabei ist das Prinzip von Enterprise 2.0 eigentlich ganz einfach: Clevere Firmen nutzen die Funktionen des Mitmach-Webs – egal ob Blogs für die Unternehmenskommunikation, Wikis für das interne Wissensmanagement oder browerbasierte Office-Programme für das Controlling. Enterprise 2.0 ist nämlich weder Hexerei noch abstrakte Management-Theorie, sondern nichts anderes als die praktische Umsetzung neuer Trends und Technologien. Zum Beispiel bei der Kommunikation mit dem Kunden: Die E-Mail, die seit den 90er Jahren den herkömmlichen Kontakt per Brief, Fax oder Telefon ergänzt hat, ist in längst nicht mehr das Maß aller Dinge. Weblog made in Pforzheim
Weblogs haben sich als zusätzliche Kommunikationsplattform etabliert. Wem die Meinung seiner Kunden wichtig ist, sollte dieses Instrument nutzen. Der Pforzheimer Schmuck- und Uhrenhersteller TeNo tut es bereits. Unter www.teno-blog.de tauschen sich seit Herbst 2006 Mitarbeiter, Vertriebspartner und Kunden aus. Plumpe PR ist dabei tabu: „Wir wollen keine Erfolgsstory spiegeln, sondern einfach nur aus dem Alltag eines Herstellers von Edelstahlschmuck und Designer-Uhren made in Germany erzählen“, erklärt Geschäftsführer Jürgen Heinz. „Wir wollen ehrlich und authentisch von unserer Arbeit berichten, von unserem Schmuck, von unseren Ideen, Plänen und Zielen. Vielleicht auch von jenen, die wir nicht erreicht haben.“ Die Firma aus dem Nordschwarzwald ist weltweit in 21 Ländern vertreten, der Blog bietet den kosmopolitischen Badenern viel Kommunikationskomfort für wenig Geld. Andere Unternehmen gehen noch weiter und stellen ganze Podcasts ins Netz. Dabei sind: Fachvorträge aus der jeweiligen Branche ebenso denkbar wie regelmäßige Expertendiskussionen oder sogar Unterhaltungselemente, die eine bestimmte Markenwelt widerspiegeln. Ebenso wie Blogs können aber auch Podcasts für die interne Kommunikation eingesetzt werden – vorausgesetzt, die Geschäftsführung ist wirklich am Dialog mit den Mitarbeitern und an einer konstruktiven Diskussionskultur im Unternehmen interessiert. Dann ist es höchste Zeit, das Intranet Web 2.0-tauglich zu machen, beispielsweise durch Wiki-Funktionalitäten, in denen die Mitarbeiter ihr Fachwissen untereinander austauschen können.

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