Allzu einfach sollte man es sich mit der Entsorgung der Hardware darum nicht machen. Mit dem simplen Löschen von Kunden- oder sonstigen Firmendaten ist es nämlich nicht getan, auch nicht mit der Formatierung der Harddisc. Das bloße Leeren des Papierkorbs etwa löscht noch nicht einmal Daten, sondern gibt nur die entsprechenden Sektoren einer Platte zum erneuten Beschreiben frei. Die Informationen an sich sind nach wie vor vorhanden und können von Computerexperten leicht wiederhergestellt werden. So genannte Recovery-Tools sind prinzipiell auch in der Lage, formatierte Festplatten auszulesen.
Ein Fall für Spezialisten
Wirkliche Datenlöschungen erfordern andere Mittel. So ist es kein Wunder, dass der Markt für Datenlöschungen boomt und Branchenexperten zufolge allein in Deutschland für zweistellige Millionen-Umsätze sorgt. Die sicherste Lösung ist die Entmagnetisierung von Festplatten, Bändern oder Disketten. Dabei werden Datenträger meist durch ein starkes, schnell wechselndes magnetisches Feld mit einer Feldstärke von mindestens 11.500 Gauß durch Übermagnetisierung gelöscht. Die Methode gilt allerdings als aufwendig und bringt zudem den Totalverlust des Datenträgers mit sich – eine Radikallösung, die nicht immer erwünscht ist. Wer seinen Datenspeichern auch nicht mit dem Hammer oder der Brandfackel zu Leibe rücken will – Mittel, die übrigens auch nicht immer zum Erfolg bzw. zum Datenverlust führen – verlässt sich lieber auf professionelle Software. Die Betonung liegt hier auf professionell, denn diverse im Web kursierenden Gratis-Tools zur Datenträgerbereinigung sind bestenfalls für Privatanwender zu empfehlen.
Ordnung muss sein
Kommerzielle Programme kosten zwar Geld, aber auch sparsame Mittelständler sollten hier nicht knausern, schließlich haftet der Geschäftsführer persönlich für den ordnungsgemäßen Umgang mit Daten. Die Vernichtung von personenbezogenen Informationen muss er sogar nachweisen können, die Beweislast liegt hier also allein bei ihm. Professionelle Anwendungen bieten darum digitale Zertifikate an, die einzelne Löschvorgänge exakt dokumentieren .Die Programme orientieren sich in der Regel an Standards des Bundesamts zur Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) oder des US Department of Defense (DoD). Ganz penible Systeme überschreiben eine Festplatte bis zu 35 Mal, um auch den letzten Datenrest zu vernichten. So etwas kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit – und erfordert Fachwissen, das gerade in kleineren IT-Abteilungen nicht immer vorhanden ist. Viele Unternehmen greifen darum auf externe Dienstleister zurück. Anbieter wie Kroll Ontrack etwa, die in Böblingen ansässige Deutschland-Tochter der US-amerikanischen Ontrack-Gruppe, die neben der Löschung von Daten auch das Gegenteil übernimmt: Deren Rettung. Beide Bereiche – die Vernichtung wie die Rekonstruierung von Daten – gehen in der Dienstleister-Praxis ohnehin meist Hand in Hand, weil sie die gleichen Kenntnisse über Datenträger und deren Strukturen erfordern.