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Employer Branding

Der „War of Talents“ führt ins Netz


Erfolgreiche Personalsuche dürfte für den Mittelstand in den kommenden Jahren so wichtig werden wie noch nie. Der zunehmende Mangel an Fachkräften trifft KMUs besonders hart. Denn Berufseinsteiger orientieren sich traditionell in Richtung Großunternehmen, während die kleineren Firmen in die Röhre schauen. Im Kampf um die immer knapper werdende Ressource Mensch ist jeder Mittelständler gut beraten, im Rahmen seines Employer Branding sämtliche digitalen Kanäle voll auszuschöpfen, um das eigene Unternehmen für talentierte neue Arbeitskräfte so attraktiv wie möglich zu machen, aber auch bereits eingestellte Arbeitnehmer möglichst langfristig zu binden.


Dreh- und Angelpunkt dafür ist im Internetzeitalter die eigene Website. Sie ist nicht nur für Kunden eine wichtige Informationsquelle. Auch jeder potenzielle Bewerber informiert sich online über einen Arbeitgeber, bevor er überhaupt anfängt, eine Bewerbungsmappe zusammenzustellen. Herzlich willkommen fühlen sich potenzielle neue Mitarbeiter natürlich dann, wenn das Unternehmen sich die Mühe gemacht hat, einen eigenen Human-Ressource-Bereich auf seinem Webauftritt einzurichten. Wie das geht, können sich Mittelständler von den Klassenbesten abschauen. Laut einer Studie von Potentialpark.com haben in Deutschland Bertelsmann, die Deutsche Telekom und Thyssen Krupp die besten Karriereseiten im Netz.

Bei Bertelsmann beispielsweise führt der Klick auf den Button „Job und Karriere“ auf eine eigene Unterseite Createyourowncareer.de. Als Eyecatcher wird der Werdegang von Stan Sugarman aufgezeigt, der 1997 als Vizegeschäftsführer bei dem Medienhaus anfing und heute als Leiter Fachbereich Anzeigen und Multimedia fungiert. Darüber hinaus wird genau vorgestellt, was den Bewerber bei Bertelsmann erwartet. Es gibt unter anderem einen Karriereblog, diverse Youtube-Videos, in denen Mitarbeiter unter dem Motto "Create your Career" von den Freiheiten erzählen, die ihnen Bertelsmann in ihrer beruflichen Entwicklung bietet, einen virtuellen Rundgang mit sieben Nachwuchskräften, sowie ein Self-Assessment, mit dem Interessenten testen können, ob sie für Bertelsmann der oder die richtige Mitarbeiter(in) wären. Eine Jobsuche hilft anschließend bei der Recherche nach dem eigenen Traumjob.

Damit potenzielle Bewerber überhaupt auf die eigene Karriereseite aufmerksam werden, sollten Mittelständler da im Netz Präsenz zeigen, wo sich die Zielgruppe auch aufhält. Erstes Mittel zum Zweck sind hier Adword-Kampagnen bei Google. Darüber hinaus kommen Unternehmen, die neue Mitarbeiter suchen, auch an Online-Jobbörsen wie Monster.de oder Stepstone nicht mehr vorbei. Diese schnappten seit dem Online-Boom den Zeitungsverlagen ihren Anzeigenumsatz weg, weil immer mehr Jobinserate ins Internet abwanderten. Das Gute daran: Großunternehmen können sich durch opulente 1/1-4C-Inserate in überregionalen Tageszeitungen, die ein mittelständisches Unternehmen schlicht nicht bezahlen kann, keinen Imagevorteil mehr erkaufen. Stattdessen gilt es heute, die richtige Jobbörse für die eigenen Zwecke auszuwählen, buhlen doch inzwischen mehr als 600 unterschiedliche Plattformen - vom Spezialdienst Ingenieurweb bis zum Generalisten Monster.de - um die Gunst der Bewerber und Unternehmen.

Die Vorteile des E-Recruiting liegen gerade für Mittelständler auf der Hand: Sie können nicht nur kostengünstiger, sondern auch effektiver nach Personal suchen. Jobbörsen oder auch Stellenausschreibungen auf der eigenen Firmen-Website erreichen schließlich einen weltweiten Nutzerkreis – den wechselwilligen Ingenieur in der nächsten Kreisstadt ebenso wie seinen Kollegen im Auslandseinsatz und den Werksstudenten aus der Nachbarschaft wie seinen Kommilitonen während des USA-Semesters.

Eine Stufe weiter als gängige Online-Stellenbörsen geht das erste Employer Branding Portal im deutschsprachigen Raum, Karriereweg.de: Die Leser sollen dort einen persönlichen und authentischen Einblick in  Unternehmen sämtlicher Branchen erhalten und sich über unterschiedliche Karrierewege verschiedener Arbeitgeber  informieren, vergleichen und das passende Unternehmen für die eigene Karriere finden können. Unternehmen haben die Möglichkeit, ihre speziellen Karrierewege in diesem Umfeld auf einer gesonderten Seite genau zu skizzieren. Über eine Kombination aus Social-Media-Inhalten, Interviews und klassischen Profildaten sollen sie auf eine neue und authentische Art mit ihrer Zielgruppe kommunizieren können - unter dem Motto: „Hier informieren Mitarbeiter zukünftige Mitarbeiter“.

Spielerisch auf Mitarbeiterfang geht die Plattform Cyquest. Unter dem Motto „Karrierejagd durchs Netz“ schickt sie Studenten durch ein Abenteuer, bei dem sie nebenbei eine Reihe von Fragen beantworten müssen, Partnerunternehmen kennenlernen können, ihren Lebenslauf eingeben und am Ende mit einem anonymisierten Profil in einer Datenbank landen. Interessante Unternehmen, wie Bertelsmann, Gruner & Jahr, Tchibo und Unilever haben Zugang zu dieser Datenbank und können so vielversprechenden jungen Talenten einen Arbeitsplatz, ein Traineeprogramm, einen Praktikumsplatz oder einen Studi-Job anbieten. Seit dem Launch des Dienstes im Jahr 2000 haben 40 Unternehmen und über 110.000 Studenten an dem Projekt teilgenommen.

Gerade für Mittelständler eher noch Zukunftsmusik ist das Mobile Recruiting. Dabei nehmen Unternehmen mit potenziellen Bewerbern über mobile Endgeräte Kontakt auf. Das heißt, sie übermitteln dem Nutzer Stellenangebote, Informationen zu den Firmen oder einen Link zur Karriere-Website. Vor allem für jüngere Bewerber ist das Medium interessant, weil diese leichter über mobile Endgeräte als zum Beispiel über E-Mails zu erreichen sind. Laut der „Mobile Recruiting Studie“ des Online-Verbandes Eco sind 89 Prozent der befragten 367 Vertretern aus dem Bereich Human Ressources, dass die Zielgruppenansprache über mobile Medien an Bedeutung gewinnen wird. 42 Prozent der Teilnehmer gaben an, sich vorstellen zu können, dass in den kommenden zwei Jahren eine mobile Kampagne entwickelt und implementiert wird. Das größte Nutzenpotenzial wird in der mobilen Karriere-Website gesehen, gefolgt von Karriere-Newslettern per SMS oder MMS und mobilen Tags auf Stellenanzeigen. Kernzielgruppe der Ansprache über mobile Endgeräte sind Schüler und Studenten, Professionals sind bisher noch nicht im Fokus.

Wer sich als mittelständisches Unternehmen generell über das Thema Employer Branding informieren will, kann dies bei der Initiative „Attraktiver Arbeitgeber KMU“ tun. Diese unterstützt kleine und mittlere Betriebe in Deutschland, Österreich und der Schweiz darin, sich als Arbeitgeber attraktiver und wettbewerbsfähiger aufzustellen. Die Initiatoren haben in Zusammenarbeit mit etwa vierzig Betrieben erstmals in Deutschland Lösungen und Modelle entwickelt, die KMU als Arbeitgeber wettbewerbsfähiger machen. Den Auftakt bildet eine kostenlose Starthilfe, die KMU-Betriebe an die Themen Arbeitgeberattraktivität und Employer Branding heranführt und ihnen eine eigene Standortbestimmung ermöglicht und Praxistipps für den weiteren Weg gibt.



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