Als Partner der Maschinenbau-Industrie unterhält das Unternehmen Balluff Verbindungen zu mehreren hundert Lieferanten. Der Zentraleinkauf am Firmensitz des Unternehmens in Neuhausen nahe Stuttgart suchte eine Lösung, welche die Auswahl, Bewertung und Entwicklung von Lieferanten nachhaltig unterstützt. Dazu wurde ein neuer und ganzheitlicher Ansatz zum Lieferanten-Management entwickelt und implementiert.
Balluff ist mit mehr als 40 Jahren Erfahrung im Bereich der Sensorik heute einer der leistungsfähigsten Hersteller von Serienprodukten, die in allen Gebieten der Automation erfolgreich und zuverlässig einsetzbar sind. Der Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung und Produktion von Bauteilen für die präzise Bewegungssteuerung. Das schwäbische Unternehmen liefert elektronische und elektromechanische Sensoren, rotative und lineare Wegaufnehmer sowie Identifikationssysteme. Innovative Technik, modernste Elektronik und anwendungsspezifische Kundenlösungen kennzeichnen die gesamte Produktpalette.
Leistungsfähigkeit und Transparenz
Entsprechend dieser Innovationskraft wurden mit der neuen Lösung zur Unterstützung des Lieferanten-Managements im Einkauf folgende Ziele verbunden:
Nachhaltige Steigerung der Leistungsfähigkeit der LieferantenAbleitung konkreter Maßnahmen zur Kostensenkung und LeistungssteigerungBeschränkung der LieferantenzahlVerankerung der strategischen Einkaufsfunktion im Unternehmen.
„Wir wollen unsere Kräfte auf die besten Lieferanten für Balluff konzentrieren“, formuliert Einkaufsleiter Klaus Abel die übergeordnete Zielsetzung für mehr Effizienz im Einkauf. Dazu wurde im Sommer 2001 der passende Berater gesucht, der mit Expertise und Praxiserfahrung gemeinsam eine passende konzeptionelle Lösung entwirft und umsetzt.In der Auswahl überzeugte die Hoffmann & Zachau Unternehmensberatung AG in München. H&Z ist ein Beratungsunternehmen, das aus einer langjährigen Zusammenarbeit mit der Siemens AG entstanden ist. Auf der Basis zahlreicher Beratungsprojekte im industriellen Produkt- und Anlagengeschäft wurde ein fundierter Erfahrungsschatz aufgebaut, der seit 1997 H&Z-Kunden in Projekten zur Verfügung steht. Für die Firma Balluff hat H&Z die Konzeption des neuen Systems für das Lieferanten-Management unterstützt und begleitete auch dessen Implementierung.
Übergreifendes Beurteilungsvermögen
Für die Lieferanten-Bewertung wurden einheitliche Kriterien entwickelt, die die Leistungsfähigkeit der Zulieferer („Lieferanten-Performance“) in den Kategorien Einkauf, Qualität, Logistik und Technik messen. Denn diese Kategorien gemeinsam stellen die Gesamtkosten einer Lieferbeziehung dar, nicht der Preis allein ist entscheidend.
H&Z führte bei Balluff als neue Maßnahme Workshops zur Lieferanten-Bewertung ein. Dazu bringt der Zentraleinkauf die Funktionsspezialisten aus Disposition, Qualität und Entwicklung zusammen, damit ein unternehmensweites Gesamtbild entstehen kann. Dieser übergreifende Ansatz macht über Funktionsgrenzen hinweg deutlich, wie sich die tatsächliche Leistungsfähigkeit der Lieferanten im Unternehmen verhält.
Die Bewertungsergebnisse der Lieferanten können in einer von H&Z aufgesetzten Datenbank gespeichert werden. Alle Daten lassen sich editieren und als materialgruppen spezifische Portfolios und Stärken-, Schwächenprofile der einzelnen Lieferanten grafisch darstellen.
Strategische Aktivitäten
Auf diese Weise werden künftig 80 Prozent des Einkaufsvolumens einmal jährlich bewertet. Auf die zuliefernden Unternehmen bezogen sind dies in der Regel die größten sowie einzelne ausgewählte Lieferanten einer Materialgruppe.
Auf der Basis der Bewertungsergebnisse werden von den verantwortlichen Einkaufsgruppenleitern Materialgruppen-Strategien erarbeitet, in denen künftige Vorzugs-Zulieferer, die „A-Lieferanten“, festgelegt werden. Diese Strategien werden im Unternehmen abgestimmt und mit Maßnahmen zur Lieferanten-Entwicklung hinterlegt.
Effekte für Balluff
Das Projekt zur Einführung der neuen Datenbank gestützten Lösung wurde so angelegt, dass das Vorgehen in einem Pilotprojekt mit sieben Materialgruppen startete. Dabei wurden viel versprechende Hebel zur Kostensenkung identifiziert:
Materialkosten-Senkung durch Nutzung von Bündelungseffekten und gestärkter VerhandlungsmachtProzesskosten-Senkung aus reduzierter LieferantenzahlSenkung von Qualitäts- und Logistikkosten durch verstärkte Zusammenarbeit mit positiv bewerteten Lieferanten.
Die aus der Nutzung des neuen Systems folgenden Maßnahmen befinden sich aktuell noch in der Umsetzung. Die entwickelte Vorgehensweise wird dann auf das gesamte Einkaufsvolumen übertragen.
Grundsätzlich geht ein derartiges crossfunktional angelegtes Lieferanten-Management noch weit über unmittelbar monetär bewertbare Nutzenaspekte hinaus. In den Bewertungs-Workshops bekommt der Einkauf ein umfassenderes Bild über die Lieferanten und erhält ein Feedback aus anderen Abteilungen zur eigenen Einschätzung. Durch das aktive Zugehen auf die Entwicklung, Qualität und Logistik erhöht der Einkauf zudem die eigene Präsenz und darüber hinaus auch die Unterstützung im Unternehmen.
Rückhalt in der Unternehmensführung
„Entscheidend für den Erfolg des Projekts war neben dem Engagement des Einkaufs insbesondere die Beteiligung der Geschäftsleitung“, so H&Z-Projektleiter Ulrich Brodhage. „Sie stand als Mitinitiator von Anfang an hinter dem Vorhaben und demonstrierte ihre Anerkennung im Lenkungsausschuss.“
Wichtig für den Erfolg ist, das Lieferanten-Management nicht als Zusatzprojekt aufzufassen, sondern es als kennzeichnendes Element eines strategischen Einkaufs einzusetzen.