Unternehmens-Ratings müssen nicht unangenehm sein. Diese Erfahrung machte zumindest das Wolfacher Unternehmen Aliseo, das weltweit Hotelbadbedarf in Vier- und Fünfsterne-Hotels vertreibt. Denn die Firma, die mit rund 30 Mitarbeitern und knapp zehn Millionen Euro Jahresumsatz zu den kleineren Mittelständlern in Deutschland zählt, hat mit ihrem Rating-Ergebnis durch einen externen Dienstleister bei ihrer lokalen Sparkasse einen derart guten Eindruck hinterlassen, dass die Kreditkonditionen erheblich optimiert wurden. Beflügelt von dieser positiven Erfahrung wollte die Geschäftsleitung das Rating nun betriebsintern als Steuerungsfunktion analog dem Controlling implementieren, um so alle Entscheidungen unter Rating-Gesichtspunkten rechtzeitig abzuklären.
Mit dem Steuerberater auf der gleichen Wellenlänge
Aliseo entschied sich bei der Auswahl der passenden Rating-Software für die Lösung R-Cockpit von Rating-Experte Prof. Dr. Schneck. Ausschlaggebend für die Auswahl war, dass das Tool auf allen Windows-Oberflächen läuft und außerdem auch vom Steuerberater von Aliseo eingesetzt wurde. Anders als kostengünstigere Software, die teilweise nur Checklisten bietet oder unter Rating die altbekannte BWA-Analyseversteht (zur Analyse und Steuerung eines Unternehmens werden dabei Werte der Finanzbuchhaltung unter betriebswirtschaftlichen Aspekten komprimiert), handelt es sich bei R-Cockpit um eine validierte Software, die beispielsweise der TÜV Rheinland sowie die REFA Deutschland empfiehlt. Die Lizenz beinhaltet das Rating, die Simulation von Optimierungen, den Branchenvergleich über alle Kennzahlen, eine Unternehmensbewertung nach der DCF (Discounted-Cash-Flow)-Methode sowie ein Risk-Mapping als Frühwarnsystem.
Handarbeit statt Schnittstellen-Programmierung
Da Rating nun kein Steuerungsinstrument ist, das täglich angewendet und mit einer Vielzahl von Daten gepflegt werden muss, war auch die Einbindung in die vorhandene IT-Infrastruktur von Aliseo kein großes Problem. Die Software musste lediglich auf einem Rechner installiert werden, Schnittstellen zu anderen Software-Lösungen im Unternehmen wurden nicht realisiert. Denn von den in R-Cockpit abgefragten 70 qualitativen Fragen hat das Unternehmen kaum Daten auf anderen Systemen verfügbar, so dass die Antworten - beispielsweise bezüglich der Nachfolgeregelung oder der Unternehmensstrategie - ohnehin von Hand eingegeben werden müssen. Bei den qualitativen Daten aus der Bilanz können Schnittstellen beispielsweise zu ERP-Programmen zwar sinnvoll sein, doch auch hier entschied sich Aliseo, dass die Eingabe von rund 20 Kenngrößen über drei Jahre zur Berechnung von 17 Bilanzkennzahlen für das Rating zwei- bis dreimal jährlich schneller erledigt ist, als durch die aufwändige Programmierung einer Schnittstelle. Wenn alle Antworten eingegeben wurden, liefert das Tool die Auswertung, die in alle Windows-Programme wie beispielsweise Microsoft Word exportiert werden kann.
Beim Umgang mit der Software hilft den Aliseo-Mitarbeitern das beiliegende Handbuch, Prof. Dr. Schneck bietet bei Bedarf jedoch auch Halbtagesseminare oder eine Ratingausbildung an der Akademie für Finanzmanagement AFFM in Stuttgart an. Unternehmen, die die Selbstdiagnose mit R-Cockpit durchführen wollen, empfiehlt Rating-Experte Schneck jedoch, noch einen externen Berater, beispielsweise den Steuerberater, zu konsultieren. Dieser kann die Bilanzen noch mal überprüfen, bevor die Hausbank die Unterlagen einsieht und daraus die Kreditkonditionen ableitet.