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Unternehmensführung / Organisation

Über sich hinaus wachsen


Die weltweite informationstechnische Vernetzung verändert Handelsplätze und bietet nahezu jedem Marktteilnehmer neue Herausforderungen aber auch Chancen. Neue Wege in der Unternehmensführung und Organisation werden erforderlich, stellen zugleich aber auch ein Potenzial zur Kostensenkung und zum Wachstum dar. Die Unternehmensberatung Roland Berger hat dies auf den Punkt gebracht: "Auch in der gegenwärtig angespannten konjunkturellen Situation empfiehlt sich, konsequent eine Doppelstrategie aus intelligenter Kostenreduktion plus kreativem Wachstumskurs zu verfolgen."

Ob man als Betrieb selber eine weltweite Strategie verfolgt oder nicht, die aktuellen Entwicklungen beeinflussen auch das eigene Marktumfeld. Denn Unternehmen können nun auf entfernte Märkte vordringen und neues Wachstumspotenzial erschließen. Gleichzeitig leiten sie damit eine Veränderung der Wettbewerbssituation auf den jeweiligen lokalen Märkten ein. Genauso beschreiten Kunden internationale Wege und erweitern ihr Preisvergleichs-Spektrum in der Beschaffung. Die Situation erfordert daher auch von Betrieben, die aktiv rein regionale Strategien verfolgen, die Auseinandersetzung mit dem globalen Marktgeschehen. Denn zumindest die Konkurrenzanalyse zur Bewertung der eigenen Stellung im Markt muss weiter gefasst werden als bisher.

Kreativer Wachstumskurs

In einer international angelegten Studie haben die Berater von Roland Berger Strategy Consultants untersucht, welche Faktoren der dabei ermittelten Spitzengruppe ihr überdurchschnittliches Wachstum von Umsatz, Gewinn und Unternehmenswert ermöglicht hat. Entsprechend leiteten sie sieben strategische Maßnahmen ab, die jeweils Branchen und Wettbewerbsumfeld bezogen unterschiedlich kombiniert werden. Bezogen auf die Betrachtung der weltweiten informationstechnischen Vernetzung wurden folgende strategische Hebel festgestellt:
  • Globalisierung
  • Verringerung der Wertschöpfungstiefe durch Outsourcing
  • Netzwerke, Kooperationen und Virtualisierung.

"Reine Kostensenkung kann nur kurzfristig Gewinn und Unternehmenswert erhöhen. Nur mit regelbrechenden Wachstums-Strategien können Unternehmen nachhaltig Gewinn und Wert steigern – auch in Phasen konjunktureller Schwäche", so die Empfehlung von Roland Berger. Zum Beispiel Globalisierung: Unternehmen nehmen am Weltmarkt teil, der schneller wächst als die nationalen Bruttoinlandsprodukte. Nachfrage und Wettbewerb springen von einer vormals nationalen auf die globale Ebene.

Fokussierung

Die Spitzengruppe der Untersuchung hat dabei erkannt, dass die früher übliche umfassende Integration aller Wertschöpfungsstufen innerhalb eines Unternehmens kein Wachstumspfad ist. Die Zukunft gehört spezialisierten Anbietern von Produkten und Dienstleistungen: Vorbilder sind hier die Chip-Produzenten und Automobilhersteller.
Netzwerke und Kooperationen können geschlossen werden, deren Partner durch E-Business-Technologien selbst auf globaler Ebene virtuell integrierbar sind. Neben Kooperationen in Forschung & Entwicklung können Netzwerke auch zur Bündelung sich ergänzender Angebote dienen. Derartige Strategien ermöglichen folgende Effekte:
  • Senkung der Kapitalbindung
  • Zugriff auf weltweite Kompetenzen
  • Ausnutzung zusätzlicher Wachstums-Ressourcen.

Outsourcing

Indem Unternehmen sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren, erzeugen sie Spezialisierungs- und Erfahrungsvorteile. Zusätzliche Kompetenzen können flexibel und je nach Bedarfslage durch die organisatorische oder virtuelle Integration von Wertschöpfungspartnern hinzugezogen werden. Gemeinsam mit auf die Kunden-Interaktion spezialisierten Call Centern zum Beispiel haben Firmen "viele Ohren am Kunden" und konzentrieren sich intern auf ihre Produkte oder Dienstleistungen.
In der Entwicklung von Software oder IT-Lösungen können externe Programmier-Kapazitäten eingebunden werden. Diese helfen dabei, neue Entwicklungen zu überschaubaren Kosten und in passenden Zeitspannen zu realisieren. Eine Methode dafür ist das Onsite/Offshore-Modell: IT-Projekte werden nicht einfach an ein Entwicklerzentrum (Offshore) ausgelagert, sondern vor Ort aufgesetzt und von dort gesteuert (Onsite). Das Projekt startet dazu beim Auftraggeber, dann geht ein Teil der externen Partner an den Entwickler-Standort zur Koordination der Umsetzung zurück. Im Unternehmen stellt ein verbleibendes Kernteam die enge Verknüpfung des Unternehmens mit den entfernten Programmierern sicher. Je nach Art des Projektes und Mischung der Onsite/Offshore-Kapazitäten belaufen sich die Einsparungen laut Dienstleister-Angaben auf 20 bis 40 Prozent.

Kooperationen und Netzwerke

Für die Zusammenarbeit von kleinen und mittelständischen Unternehmen ermittelte eine Fallstudien-Analyse des Forschungsverbundes Kooperationswissen Auslöser für die Bildung von Kooperationen und den damit verbundenen Zielen. Insbesondere durch das Eintreten großer in- oder ausländischer Unternehmen auf regionalen Märkten entstand ein starker Konkurrenz- und Preisdruck, dem die Betriebe mit Kooperations-Bildung begegneten. Die betrachteten Unternehmen schlossen Partnerschaften zu Einkaufs-, Service-, Vertriebs- sowie Forschungs- & Entwicklungs-Kooperationen. Als häufigste Erwartungen wurden in der Auswertung angegeben:
  • Kostendegression durch Synergie-Effekte
  • Verringerung des Risikos bei Investitionen oder Markteintritt
  • Aufrechterhaltung der Marktfähigkeit
  • Sicherung der Wettbewerbsposition
  • Ausgleich von Kapazitäten und Nutzung eines gemeinsamen Maschinen- und Geräteparks.

Die Fallstudien zeigen, dass die meisten betrachteten Kooperationen die bei der Gründung gesetzten Ziele zumindest zum Teil erreicht haben. Die befragten Unternehmen sind überwiegend zufrieden mit den Ergebnissen. Dies bestätigt auch der Befund, dass alle Kooperationen bis auf einige Anfangsprobleme nie zu scheitern drohten und sogar aufrechterhalten oder ausgebaut werden sollen. Als wesentlicher Erfolgsfaktor für eine Kooperation wurde von allen Unternehmen das Vertrauen zwischen den beteiligten Partnern genannt. Eine solide Vertrauensbasis und der offene Umgang mit den kooperierenden Firmen ist nach der Meinung der meisten Befragten die wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung einer Kooperation.
Patentrezepte für den Weg zur erfolgreichen Kooperation lieferte die Fallstudien-Analyse nicht, denn ein Zusammenschluss sei jeweils speziell den Bedürfnissen anzupassen. Jede Art einer fortgeschrittenen Zusammenarbeit setze allerdings Vertrauen voraus. Offenheit, zahlreiche Kontakte und eine transparente Vorgehensweise sind Möglichkeiten, Vertrauen zu erzeugen. Hierzu unterstützen E-Business-Anwendungen die Unternehmen und liefern Bausteine für den Aufbau und Betrieb von Kooperationen.



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