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Internetauftritt

"Web-Design soll die Seite nicht schön, sondern verständlich machen"


Wie können sich Mittelständler optimal im Internet präsentieren und welche Budgets sollten sie dafür einplanen? ebigo.de-Mitarbeiterin Daniela Patrzek sprach mit Bernd Hoeck, Managing Director Enterprise Portals & CRM beim Web-Dienstleister GFT Technologies, St. Georgen.


Kann ein Mittelständler ohne Internet-Auftritt heute überhaupt noch Geschäfte führen? Oder anders herum gefragt: Ist es für Mittelständler heute wirklich Pflicht, im Internet präsent zu sein und was sind die Gründe dafür bzw. dagegen?
Bernd Hoeck, GFT 
Bernd Hoeck, GFT
Bernd Hoeck:  Diese Frage fällt in die gleiche Kategorie wie "Brauchen Sie Visitenkarten?" Das Internet hat sich in der modernen Wirtschaft zu einem nicht wegzudenkenden Informationskanal entwickelt. Daher gehört heute zu einem professionellen und seriösen Geschäftsgebaren auch eine angemessene Internetpräsenz. Somit stellt sich nicht die Frage des "Ob", sondern eher des "Wie". Wichtig ist, dass der Internetauftritt in Art und Umfang dem Unternehmen entspricht. Allerdings kann man hier keine Pauschalaussagen treffen, sondern muss jeweils detaillierte Betrachtung vornehmen.


Was unterscheidet Ihrer Meinung nach einen guten Internet-Auftritt von einem schlechten?
Bernd Hoeck: Ein guter Internet Auftritt zeichnet sich durch eine medienadäquate Umsetzung von Geschäftsprozessen oder Dialogprozessen im Internet aus. Wesentliche positive Kriterien sind dabei aktuell, informativ und vollständig aufbereiteter Inhalt (Content) und Nutzerfreundlichkeit, das heißt eine gute Struktur, schnelles Verständnis und einfache Prozesse, die den Convenience-Anspruch eines Internet-Nutzers befriedigen. Außerdem zählen neben Handel, Kommunikation, Community und der Personalisierung auch der individualisierte Service (Configuration) dazu.


Woran kranken gerade Online-Auftritte von kleinen und mittelständischen Unternehmen?
Bernd Hoeck: Leider werden häufig die Vorteile des Internets – Dialog, Interaktion, Transaktion und Tracking – nicht genutzt, statt dessen wird das Medium Print, also die Unternehmensbroschüre, eins-zu-eins ins Internet übertragen. Damit bleiben natürlich viele Möglichkeiten des Mediums Internet ungenutzt. Außerdem wird das Internet häufig nicht als fester Bestandteil in die Unternehmenskommunikation aufgenommen. So wird die Kommunikationsabteilung, die häufig unterbesetzt ist, nicht frühzeitig in die Planung eingebunden und kann dadurch keine eigenständigen Internetprozesse aufbauen. Hinzu kommt, dass die Seiten nicht professionell durch Internet-/IT-Dienstleister, sondern inhouse von „Hobby-HTMLlern“ nach Unternehmensvorgaben umgesetzt werden.


Was sind die ersten Schritte, die Unternehmen tätigen sollten, die einen Relaunch ihres Online-Auftrittes planen oder gänzlich neu ins Netz gehen?
Bernd Hoeck: Zunächst sollte man die Zielgruppe analysieren und feststellen, wie sie sich zusammensetzt und was sie braucht. Dann sollte sich das Unternehmen analysieren und die Fragen „wer sind wir“ und „was bieten wir“ klären. Als nächsten Schritt sollte man die Schnittstelle von Angebot und Nachfrage identifizieren und herausfinden, was sich nun gut im Sinne von Dialog, Interaktion, Transaktion und Tracking über das Internet abwickeln lässt, denn nicht alles ist geeignet. Typische Fehler sind beispielsweise das Abbilden von internen Firmenstrukturen statt nutzergerechter Strukturen, die Unterschätzung des internen Aufwands sowohl an Personal als auch an Material sowie die oft nur technisch getriebene Projektleitung durch IT, die ein mögliches Businessziel nicht fokussiert.


Welche Mindestanforderungen stellen Internet-Nutzer an einen Unternehmens-Webauftritt?
Bernd Hoeck: Wie es die Unternehmensberatung Bain & Company formulierte, besteht die Wertschöpfung für den User in Verbraucherfreundlichkeit, Verfügbarkeit, Geschwindigkeit, Personalisierung, Nutzen & Nutzbarkeit, Neuerung, Einzigartigkeit und Kostenvorteil.


Welche „Golden Rules of Web-Design“ würden Sie den Unternehmen besonders ans Herz legen?
Bernd Hoeck: Hierbei gilt es grundsätzlich zu bedenken, dass Web-Design die Seite nicht "schön", sondern "verständlich" macht. Das Design strukturiert und kennzeichnet die Seite, führt zu Wiedererkennung und reduziert (!) Chaos, statt welches zu schaffen.

Gutes Design setzt sich aus mindestens folgenden Aspekten zusammen:

- Identity-Design (durchgängiges konsistentes Branding)
- Informations-Design (statt Text: Visualisierung komplexer Zusammenhänge, Diagramme / Grafiken)
- Interface-Design ("Look": Charakter, Seitenraster, Konsistenz)
- Navigations-Design (konsistente Userführung durch alle Seiten)
- Interaktions-Design (Gestaltung von Funktionalitäten, Transaktionen)
- Multimedia-Design (gezielter Einsatz von Bild/Film/Sound wo nötig und inhaltlich unterstützend)


Mit welchem Budget müssen Unternehmen mindestens kalkulieren, um eine ordentliche Visitenkarte im Netz zu hinterlassen?
Bernd Hoeck: Wenn es sich nur um eine reine „Visitenkarte“ im Netz ohne Interaktion handeln soll, die Aufschluss über das Unternehmen, Ansprechpartner und eine grobe Übersicht über die Produkte oder Dienstleistungen bietet, sind Budgets je nach Anspruch an Design und Tiefe der Information zwischen 25.000 und 100.000 Euro realistisch.
Es kann auch für einen Mittelständler sinnvoll sein, beispielsweise einen Teil seiner Serviceanfragen oder Bestellungen über eine Online-Lösung deutlich kostengünstiger als über die herkömmlichen Wege abzudecken. Also, eigentlich müsste die Frage lauten: Wann rechnet sich die Homepage für das Unternehmen in seiner individuellen Situation. Wir bei GFT haben schon viele Internetpräsenzen zwischen 20.000 Euro und zweistelligen Millionenbeträgen realisiert. Gerechnet haben sie sich alle.




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