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Green IT

„Auch Wartungskosten sind Green IT“


Lohnt sich für mittelständische Unternehmen die Umrüstung auf grüne IT tatsächlich oder ist Green IT in Wirklichkeit nur im Marketing der Anbieter ein Hype-Thema? ebigo.de sprach mit Roman Hoffmann, Geschäftsführer des Wilken Rechenzentrums und „Green CIO des Jahres 2008“.


Herr Hoffmann, wieviele mittelständische Unternehmen setzen Ihrer Erfahrung nach denn bereits auf Green IT?
Roman Hoffmann: Meiner Ansicht nach, weniger als 10 Prozent. Die meisten IT-Unternehmen können den Mehrwert nicht einschätzen oder haben keine Kapazitäten dafür frei.


Welche Gründe sprechen für die Umrüstung? Gibt es auch Nachteile?
Hoffmann: Die Gründe liegen auf der Hand: Durch den Blick über den Tellerrand hinaus, kann man nicht nur Strom sparen, sondern auch eine Lebensphilosophie im eigenen Unternehmen einführen. Nämlich das sich IT und Umweltschutz nicht grundsätzlich ausschließen. Ob man zwingend in ökologisch notwendige Maßnahmen vermehrt investieren muss, liegt bei jedem Unternehmen selbst in der Hand. Dadurch sind keine Nachteile vorhanden, außer der Zeit für die Eigenanalyse.


Wo fängt man als Mittelständler mit der Umrüstung am besten an?
Hoffmann: Vor der eigenen Haustür kehren! Erst einmal sollte jeder IT-Verantwortliche oder die GF den eigenen Verbrauch kennen, auch die Kosten, die dieser verursacht. Dann Neuanschaffungen unter dem Verbrauchsgesichtspunkt bewerten, nicht nur die erstbesten Angebote vergleichen. Dann Neukauf und Wartungskosten von Altgeräten gegenüberstellen, das ist ebenfalls Green-IT.


Wo liegen die höchsten Einsparpotenziale - und mit welchen Kosten für die Umrüstung muss man rechnen? In welchem Zeitraum amortisieren sich die Investitionen?
Roman Hoffmann, Geschäftsführer des Wilken Rechenzentrums Roman Hoffmann, Geschäftsführer des Wilken Rechenzentrums
Hoffmann::  Ganz verschieden. Unternehmen mit vielen Servern können am ehesten mit der Virtualisierung sparen. Mehrere VMs auf nur einer Hardware ist hier am effizientesten. Dagegen haben Unternehmen mit vielen Clients und wenigen Servern die Möglichkeit auf Notebooks oder Thin-Clients zu setzen. Die Kosten hängen von der Bandbreite der Maßnahmen ab. Wenn man statt 50 neuen Servern nur zehn anschaffen muss, dann liegt das Einsparpotential bei ca. 250.000 Euro und hier sind die Kosten für VMware schon mitinkludiert. Investitionen rechnen sich bereits nach wenigen Monaten bis hin zu ein bis zwei Jahren. Es kommt auf die Größe der Veränderungen an. Unser Unternehmen spart aktuell 20 bis 30 Prozent an nicht in Anspruch genommenen Stromkosten. Allerdings haben wir nur den aktuellen Verbrauch und den hypothetischen betrachtet. Was nicht in diese Rechnung einfließt, sind z.B. höhere Aufwände, die wir bei einer größeren Dimensionierung unseres Rechenzentrums benötigt hätten oder die damit verbundenen höheren Personalzahlen.


Ist es Ihrer Erfahrung nach für Unternehmen ein Imagegewinn, wenn sie ihr Green-IT-Engagement kommunizieren? Gibt es hier Beispiele?
Hoffmann: Ganz eindeutig ja. Unsere Kunden sind allesamt kostenbewusst. Ein Signal von unserer Seite, ebenfalls Kostenbewusstsein zu besitzen, kommt einfach an. Ob in Medien, bei Geschäftspartnern oder bei Kunden. Zum Beispiel sparen unsere Kunden im Energieumfeld ganz klar durch das ASP-Modell von Wilken. Wir betreiben den Marktdatenaustausch für insgesamt fast 40 Energieversorger für die Sparten Strom, Gas und die elektronische Signatur. Der Kunde muss a) sein Equipment nicht ausbauen b) nicht das notwendige fachliche Know-how mitbringen. Dadurch ist er quasi mit im "Green-IT-Boot".


Ist die Zukunft der IT generell "green" oder ist Green IT aktuell nur ein Modethema?
Hoffmann: Das wird sich zeigen. Viele Unternehmen sind momentan im Green-Hype. Das heißt nicht automatisch, dass dies im nächsten Jahr noch so ist. Am besten lassen sich Ergebnisse darstellen. Nur etwas zu wollen, heißt noch lange nicht, dass man es auch bekommt. Vielleicht hängt es davon ab, ob die Großen wie HP, IBM und Andere an diesem Thema festhalten,Wilken weiß schon heute, dass wir dieses Thema nicht aufgrund des aktuellen Hypes machen, denn dafür läuft es schon zu lange. Seit Anfang 2005 arbeitet Wilken konkret an diversen Green-IT Themen. Es ist einfach ein Teil unseres Weges in die Zukunft, ob es nun ein Hype ist oder nicht.



Kurzvita Roman Hoffmann

Roman Hoffmann (39), geboren in Dramatal, Oberschlesien, studierte Geographie in Heidelberg. Nach einer einjährigen Fortbildung im IT-Umfeld stieß er 1999 zur Wilken GmbH, wo er zunächst in der Administration, später in verschiedenen Teamleiterpositionen arbeitete. 2002 baute er das Wilken Rechenzentrum auf und wurde 2003 Geschäftsführer der neuen Wilkentochtergesellschaft. 2005 wurde ihm der Aufbau einer neuen Qualitätsabteilung übertragen, die er bis Mitte 2008 leitete. Seit Mitte 2008 verantwortet Roman Hoffmann neben seinen Aufgaben im Wilken Rechenzentrum die komplette Entwicklung der Wilken GmbH.



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