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Personalwesen

Telearbeit: Die Unternehmen zaudern noch


Rund 20 Millionen Telearbeitsplätze existieren derzeit in der Europäischen Union, davon allein sechs Millionen in Deutschland. Das ergab eine Studie der Bonner emipirica Gesellschaft für Kommunikations- und Technologieforschung, die in sämtlichen EU-Ländern sowie der Schweiz und den USA insgesamt 11.800 Personen befragte.

Damit hat sich die Anzahl der Telearbeiter in einem Zeitraum von drei Jahren in der EU verdoppelt, in Deutschland sogar annähernd verdreifacht. Doch wenn man die Entwicklung der Telearbeit nach Organisationsformen betrachtet, zeigt sich sehr schnell, dass der enorme Anstieg der Telearbeiter keineswegs der klassischen häuslichen Telearbeit zu verdanken ist, bei der sich die Beschäftigten mindestens einen vollen Arbeitstag pro Woche an einem Arbeitsplatz in ihrer Wohnung befinden und die Ergebnisse per Telekommunikationsleitung an die Firma übertragen.

Vielmehr sind es in erster Linie die sogenannte mobile Telearbeit (beschreibt Beschäftigte, die einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit auf Geschäftsreisen verbringen und dabei per Internet Fernzugriff auf das Computernetzwerk ihres Unternehmens haben), die Telearbeit von Selbständigen, die per Internet mit ihrem Kunden oder Kooperationspartner vernetzt sind, sowie die supplementäre häusliche Telearbeit auf Stundenbasis, die starken Zulauf erhalten haben. Laut Telearbeitsforscher Norbert Kordey spiegelt sich hierbei vor allem die schnelle Verbreitung neuer Technologien wie E-Mail oder Notebooks mit Internet-Anschluss wider. Aber auch die Veränderung der Arbeitswelt hin zu flexibler Arbeitszeit, mehr Kundennähe und stärkerer Selbständigkeit spielt eine große Rolle.

Derzeit, so ergab die Studie weiter, können rund 16,6 Prozent aller Erwerbstätigen in der EU diese Telearbeits-Modelle nutzen. Damit hinkt Europa den USA jedoch weit hinterher: Vergleicht man die Zahlen für die EU mit den USA, so ist die Zahl der Telearbeiter in Übersee rund 1,5 mal so hoch wie in den 15 EU-Ländern zusammengenommen. Bezogen auf die Erwerbsbevölkerung ist sie auf der anderen Seite des Atlantiks sogar annähernd doppelt so hoch.

Niederlande sind Trendsetter bei der Telearbeit

Innerhalb der EU liegen im Ländervergleich die Niederlande mit einem Telearbeiter-Anteil von 26,4 Prozent aller Erwerbstätigen vor Finnland und Dänemark mit je knapp 22 Prozent an der Spitze. Deutschland (16,6 Prozent Anteil) und Großbritannien (17,3 Prozent Anteil) finden sich dank hoher Wachstumsraten im vorderen Mittelfeld wieder. Am Ende der Rangfolge liegen Frankreich, Luxemburg, Spanien und Portugal mit 6,3 bis 3,4 Prozent.

Während die tatsächliche Verbreitung der supplementären und permanenten Telearbeit in der Realität stagniert, würden sich nach eigenen Angaben zwei Drittel der Beschäftigten für dieses Arbeitsmodell interessieren. Unter Arbeitssuchenden ist - nicht unerwartet - das Interesse daran, als Telearbeiter permanent oder auf Stundenbasis zu Hause oder im Telearbeitszentrum zu arbeiten, sogar noch etwas größer.

Insgesamt, so lautet das Fazit der Studie, ist das Potenzial für Telearbeit beileibe noch nicht ausgeschöpft. So bezeichnen mehr als zehnmal so viele Erwerbstätige ihren Job als telearbeitsfähig als es derzeit alternierende oder permanente häusliche Telearbeiter gibt. Nach Ansicht von Telearbeitsexperte Kordey zeigen die Studienzahlen, dass die Unternehmen zwar zusehends ihre Computersysteme für den Fernzugriff ("remote access") durch Beschäftigte öffnen, aber weiterhin zögern, den Mitarbeitern zu gestatten, ganze Tage von zu Hause aus zu arbeiten. Die Diffusion der Technik vollzieht sich also schneller, als die Führungsstile der Unternehmer sich anpassen können. Deshalb gebe es heute zwar viele Telearbeitsplätze im technischen Sinn, hingegen aber relativ wenig abhängig Beschäftigte, die mindestens einen vollen Tag pro Woche zu Hause arbeiten.



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